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DFDS Gewinnspiel 2002: Freie Überfahrt für 4.600,00 Euro (Teil 1)

Wolfgang Schlick

Das Thema des letztjährigen Wettbewerbs von Whisky.de und DFDS lautete: Wie läßt sich beim einem Schottland-Urlaub Geld sparen? Durch den Gewinn des 2. Preises, die kostenlose Überfahrt auf der Strecke Ijmuiden-Newcastle für 2 Personen und incl. 2-Bett-Außenkabine plus PKW, war ein wesentlicher "Sparbeitrag" geleistet. Aber vier Wochen Unterkunft, Verpflegung, Eintritte hier und da sowie die Kilometer auf der Straße wollen ja auch bezahlt sein – beides zusammengenommen ergibt dann den Titel.

Nach Jahren, in denen ich überwiegend Orkney und Shetland sollte diesmal auch wieder Schottland-Mainland stärker berücksichtigt werden. Großartige Streckenplanungen waren nicht nötig: Ich selbst kenne Schottland seit über 25 Jahren, das mitreisende Fräulein Mutter war überwiegend interessiert an Landschaft und Schafen. Also viel schnell die Entscheidung für mehr oder weniger "klassische" Routen: Die Westküste hinauf in den Norden, hernach kreuz und quer durch Orkney und Shetland, via Dee-Valley, Tay- und Tweed-Valley von Aberdeen aus wieder "runter" nach Newcastle; Edinburgh und Glasgow sollten weiträumig umfahren werden.

Reisetipps

Doch in Abhängigkeit von der Jahreszeit – wir waren vom 3. bis 30. Mai unterwegs – gab es selbst entlang "ausgetretener Pfade" manch unvehofft Schönes zu entdecken bzw. wiederzuentdecken.

Cowall zum Beispiel, das wir via Fähre von Gourock nach Dunoon erreichten. Jetzt im Mai mit dem raschen Wechsel von blühendem Ginster und dem satten Grün der Weiden, Wiesen und dem jungen Laub der Bäume eine einzige Augenweide.

Liebliche Talauen durchzogen von kleinen Bächen, ab und an ein altes Gehöft oder ein uralter Friedhof, gepflegte kleine Landgasthäuser, die zum Tee einladen. Eine Parklandschaft wie geschaffen zum Lustwandeln und Seele baumeln lassen – was will man mehr?

Ähnlich beeindruckend diesmal auch Loch Ness. Ja, wir haben es besucht, das Nessie-Informationszentrum in Drumnadrochit, das sich inzwischen weg vom Kitsch und Klamauk früherer Jahre hin zu einem beachtlichen Informationszentrum über Nessie, den See Loch Ness und die Umwelt drum herum entwickelt hat. Wir haben auch den Shop genossen – ganz leer, war er, wir waren die einzigen Kunden: Es war halt noch Vorsaison und die Angestellten zeigten sich hocherfreut über die "Opfer" für ein gemütliches Schwätzchen.

Der Höhepunkt des Besuchs am Loch Ness war aber etwas ganz anderes. Von Fort Augustus kommend bin ich in diesem Jahr zum erstenmal die alte, noch von General Wade angelegte Militärstraße auf dem Süd- bzw. Ostufer Richtung Inverness gefahren. Entgegen mancherlei Unkenrufe ist die Straße mit dem PKW sehr gut passierbar – und sie erschließt eine phantastische Landschaft (weather permitting). Noch bevor man den See erreicht, führt sie von diesem weg auf die Höhe, von der aus man dann das westliche Seeende erspäht. Durch lichte Naturwälder erreicht man die Hochfläche eines Seitentals, den Blick frei bis kurz vor Inverness. Dann erst geht es hinab an den See, dessen Ufer die Straße nun bis in die östliche Talaue vor Inverness folgt.

 Westende Loch Ness

 Hochfläche südöstlich Loch Ness

 

 Friedhof bei Inverfarigaig, gegenüber Urquhart Castle

Überwiegend Single Track Road, praktisch nur Lokalverkehr der einheimischen Bevölkerung, genügend Plätze und Haltemöglichkeiten fürs Picknick: Eine Straße wie geschaffen fürs "Autowandern". Ein kleines Juweel, das es im weiteren Verlauf wiederzuentdecken gab, war die kaum bekannte Fähre von Glenelg nach Kylerhea auf Skye.

 

Schon das Sträßchen von Shiel Bridge nach Glenelg (jetzt "dummerweise" ausgeschildert als "Sceenic Road to Skye") ist eine Pracht. Dann die Fähre selbst mit ihrem drehbaren Aufbau, damit die Autos überhaupt an Bord können, schließlich die Fahrt durch das Glen Arroch auf Skye.

 

Wir haben die Anfahrt vertrödelt und verpassten prompt die letzte Überfahrt (16:45 Uhr), aber der Winkel um Glenelg hat ja genug für einen ausgedehnten Abend zu bieten: Zwei gut erhaltene Brochs, die Wade Barracks, nicht zu vergessen Glenelg Inn, in der es sich (wenn man nicht in das angeschlossene Restaurant geht) in angenehmster Pub-Atmosphäre vespern läßt ...

 

Skye selbst machte seinem Namen alle Ehre: Nebel und Regen am Morgen, a few sunny spells, als wir mittags Totternish umrundeten, Regen und Sturm am Abend. Es schien fast so, als ob sich Schottland für die erlittene Unbill entschuldigen wollte, als wir tags drauf Inverewe Gardens besuchten.

 

Ich halte nicht viel von Empfehlungen nach dem Motto "... das muss man unbedingt gesehen haben!". Geschmäcker sind verschieden; das Wetter, das einen Eindruck ganz wesentlich bestimmt, ist es alle Mal. Aber Inverewe Gardens ist ein "Must": Im Frühsommer (Mai/Juni) zumindest, bei Sonnenschein auf jeden Fall!

Gerade noch hat man entlang Loch Maree schönste schottische Hochlandeinöde genossen – zack – Minuten nur später findet man sich in einem fast schon "tropischen" Urwald wieder. Selbst im dunkelsten Winkel, wo (noch) nichts blüht, sieht man sich in ein grün-gelb-rot-blaues Farbenmeer getaucht: gelb-weißlich leuchtende Flechten in den Bäumen, sprießende Farne und Gräser, sattblauer Himmel der durch die Bäume schimmert und ab und an ein Fleckchen brauner Boden oder welkes Laub vom Vorjahr.

Mit ein paar orange und goldgelben Tupfern von blühenden Azaleen und Rhododendren im Vordergrund gerieten schottische Berge zu Himalaya-Ausläufern, stünden dazwischen nicht einige typisch nordamerikanische Nadelhölzer ... Beeindruckender können landschaftliche Kontraste auf engstem Raum wirklich nicht sein!

 

   

 

Dabei hatten wir meine persönliche Lieblingsecke im Nordwesten des schottischen Festlandes noch gar nicht erreicht. Die erwartete uns am nächsten Morgen: Die B 869 von Lochinver über Stoer und Drumbeg zur A 894 kurz vor Unapool. Früher war die Einfahrt in die Strecke ab Lochinver für Caravans und Camp-Mobile gesperrt; heute steht da nur noch eine gelbe Tafel mit dem Hinweis: "Not advisable for ... "

Während ich noch hart an der Übersetzung "Vorsicht, Fliegende Holländer!" arbeitete, trafen wir auch schon auf den ersten. Er hatte sich in einer engen Kurve bei gut und gerne 24% Steigung "festgefahren". Aussteigen, kucken, Frau und Kinder raus aus dem Auto, vorsichtig einweisen – immerhin war er mit einem Mercedes T ausreichend motorisiert, um die Situation hernach für alle gefahrlos zu meistern.

 

Nur mein Fräulein Mutter mochte die Panoramastraße danach nicht mehr so recht genießen, schaute mehr auf das schmale Aspahltband als auf die nette Umgebung. Die Spannung löste sich erst, als uns das Ende der Strecke für eine gute halbe Stunde das Bild der Bilder auf dieser Reise bescherte: Ein Rudel friedlich äsender Hirsche zum Greifen nahe, gleich neben der Straße. Ein Bild, das später im Jahr undenkbar ist, weil sich alles vierbeinige Getier (bis auf einige unbelehrbare Schafe) weit abseits der Touristenrollbahnen aufhält!

 

 

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