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Reisebericht Schottland April 2003 (Teil 1)

Thomas Neuhauser, Direktor des Whiskymuseums Österreich www.whiskymuseum.at

Am Samstag 12.4.2003 ging es früh morgens um 2:00 in Linz los und wir bewegten uns im Rekordtempo quer durch good old Germany um in Amsterdam abends um 18:00 die Fähre von Limjuden nach Newcastle zu erreichen. Ein wunderschöner Zwischenstopp dabei war Alkmaar mit dem berühmten Käsemarkt und seiner vor allem sehr sehenswerten Altstadt und der wunderschönen zentral gelegenen Windmühle.

Pünktlich um 18:00 startete die Queen of Scandinavia von DFDS Seaways Richtung Ungewissheit. Im Großen und Ganzen kann man die Fährüberfahrt empfehlen, vor allem um die Kinder bemüht man sich an Bord redlich und bietet hier ein umfassendes Programm für die Kleinen. Einziger Wermutstropfen ist das ansonsten allgemein sehr unfreundliche Bordpersonal, angefangen vom Shoppersonal bis zum Bedienungspersonal. Ich habe in meinem ganzen Leben selten so unfreundliche und teilweise muss man sagen unfähige Kellner gesehen wie hier an Bord. Dafür langt man dann aber bei Essen sehr tief in die Tasche, weshalb für mich dieser Punkt dick rot angestrichen wird.

Nach einer angenehmen Nachtfahrt erreichten wir pünktlich um 9:00 Ortszeit Newcastle, das wir dann auch sehr schnell hinter uns lassen konnten und auch gleich Richtung Jedburgh unterwegs waren. Da der Wind ständig zunahm, wussten wir dann auch zum richtigen Zeitpunkt, dass wir in Schottland waren.

Jedburgh wird überragt von der imposanten Abbey aus dem 12. Jahrhundert, die in den Borderkriegen leider großteils zerstört wurde. Man bezahlt hier zwar Eintritt, aber die freundliche Dame machte uns sogleich auf den Mehrtagespass aufmerksam mit dem man unter anderem auch Edinburgh Castle und Stirling Castle besuchen kann – das Geld zahlt sich hierfür also wirklich aus.

Nach Jedburgh ging es Richtung Kelso, wo wir zuerst die kärglichen Reste der kleineren Border Abbey besichtigten, um danach vor dem wirklich imposanten Floors Castle in Staunen versetzt zu werden. Dieses Castle ist so groß, dass ich erst etwa 150 m entfernt die richtige Position fand um das Unding auf ein Foto zu bekommen. Die Innenausstattung sucht ihresgleichen.

Auf dem Weg nach Dryburgh liegt eine eher unbekannte Sehenswürdigkeit – der Smailholm Tower. Dieses turmähnliche Gebäude ist heute noch bestens erhalten und man hat hier wirklich einen herrlichen Rundblick über die Borders. Nicht abhalten lassen von den zahlreichen Kühen, die hier auf der Straße „parken“ und den Touristen mit unglaubwürdigen Blicken betrachten, der sich hierher verirrt. Auf dem weiteren Weg nach Dryburgh findet man dann noch die Wallace Statue und hat bei Scotts View einen wunderbaren Blick über eine malerische Lowlandlandschaft.

Drybrugh Abbey selbst ist schwer beschädigt aber durchaus sehenswert. Vor allem die erhaltenen gotischen Kreuzgänge strahlen beim entsprechender Sonneneinstrahlung ein mystisches Flair aus. Unbedingt nachmittags machen, wenn die Sonne bereits im Westen steht.

Die letzte Abbey auf unserem Wege war dann Melrose Abbey, die angeblich die schönste der Border Abbeys ist. Ich bin zwar nicht dieser Meinung, da Jedburgh für mich mehr Flair hat, aber beeindruckend finde ich hier den Aufstieg auf einen erhaltenen Seitenturm samt Blick über die nicht vorhandenen Dächer der Abbey. Zudem fand hier gerade ein Friedensgottesdienst gegen die unseeligen Krieg im Irak statt.

Letzter kultureller Halt vor dem Weg weiter nach Edinburgh war Abbotsford House, das einst Sir Walter Scott gehörte – ein touristisches MUSS. Neben der wirklich wunderschönen und allerfeinsten Innenausstattung samt kleiner Waffensammlung und Rittersammlung beherbergt das Anwesen die Büchersammlung von Schottlands bedeutendstem Novellisten und Romancier. In der Bibliothek befinden sich stattliche 7.000 Bücher und im Vorraum nochmals weitere 2.000 Bücher. In der Bibliothek beeindrucken vor allem auch die geschnitzte Decke und die höchst dekorativen Sessel. Ein Rundgang durch den üppigen Garten des Hauses rundet das Bild dann ab.

Nach unserer ersten Nacht im Travel Inn im alten Hafen von Leith war der angebrochene Tag dem wirklich sehenswerten Zoo von Edinburgh gewidmet. Der Eintrittspreis erinnert zwar an die horrenden Steuern von 1796 aber was dafür geboten wird ist auch nicht schlecht. Der Zoo zieht sich einen ganzen Berg hinauf, von dem man dann eine grandiose Aussicht über Edinburgh hat. Den Tieren bietet man zwar teilweise nicht den nötigen Auslauf, aber man ist hier sichtlich bestrebt dieses zu ändern, da umfangreiche Bauarbeiten im Gange sind. Hauptattraktion ist die riesige Pinguinkolonie. Diesen possierlichen Kerlchen könnte man Stunden lang zusehen.

Am Abend wurde dann ein Traum war – der erste Besuch im Members Room der Scotch Malt Whisky Society in THE VAULTS in Leith. Es handelt sich bei diesem Gebäude um das älteste bestehende Lagerhaus Edinburghs, das die Society aus einer Ruine in ein herrliches Zentrum des Genusses umgebaut hat. Vom Manager Richard Gordon persönlich empfangen und in die altehrwürdigen Räume eingeführt, lernten wir dann Charlotte Halliday (Marketing Managerin) und Arthur Motley (Whiskyeinkauf) kennen. Im persönlichen Gespräch war Richard von unserem, im September in Steyr/OÖ, geplanten Whiskyevent dermaßen begeistert, dass er hier auf jeden Fall Unterstützung der Society sowie die Anwesenheit eines führenden Mitgliedes versprach. Der Hammer war dann aber meine allererste Teilnahme in einem Tastingpanel. Unter der Leitung von Charlie MacLean verkosteten acht Personen, darunter auch der bekannte Whiskyautor Gavin D. Smith, acht verschiedene – nein diesmal nicht Whiskies sondern – Single Cask COGNAC. Der jüngste von diesen war 28 Jahre alt und der älteste 45 Jahre!!! Bei dieser Verkostung kam aber wieder einmal eines klar ans Tageslicht – Whiskytrinker sind keine Cognacfreunde und daher waren sich alle ausnahmslos einig – keine besondere Wertung für dieses wenn auch sicherlich sehr edle Getränk.

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