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Reisebericht Schottland April 2003 – Teil 3

Thomas Neuhauser, Austrian Whisky Museum

Eine erholsame Nacht bildete dann die Grundlage für einen ausgiebigen Marsch am nächsten Tag entlang der Ardnave Farm. Etwa sechs Kilometer führt hier ein Weg durch beein­druckende Dünen und Strände und eröffnet an seinem Ziel einen Wahnsinnsblick auf Nave Island. Es ist heute der achte Tag ohne einen einzigen Regentropfen und einem Wetter, wie man es in Schottland selten vorfindet. Die West­küste von Islay entlang geht es dann Rich­tung Portnahaven, wo uns ein außerge­wöhnlicher Rückweg nach Islay erwartet. Ent­lang der ganzen Strecke beobachten wir etwa eine Stunde lange Delphine und Wale wie sie mit uns mitziehen. Nahezu jedes Auto macht kehrt und eine kleine Autokolonne von Enthusi­asten fährt von Ausweichinsel zu Ausweichinsel um dort die scheuen Meeressäuger zu beob­achten und zu fotografieren. Ein einmaliges Erleb­nis, das wir so schnell sicher nicht vergessen werden.

In Kilchoman stellen wir dann eindeutig fest, dass das Brennereiprojekt anscheinend wirklich endgültig begraben ist und es keinerlei Anzei­chen für eine neue Brennerei hier gibt. Dafür fin­den wir im angrenzenden Friedhof ein beeindruckendes keltisches Hochkreuz aus dem 15. Jahrhundert, das im Schatten des Kildalton Cross vor sich hin fristet. Eindrucks­voll sind auf jeden Fall die Kreuzigungsdar­stel­lungen auf der Rückseite, die jedoch leider schon sehr angewittert sind. Ein Abend vor dem offenen Karmin mit einem Glas Laddie in der Hand sollte uns Kraft für den nächsten Morgen bescheren.

Ein Morgen, der mit einem kräftigen Schluck Ardbeg Commitee begann. Wenn man einmal auf Islay war oder zumindest den hier zuständigen Leuten einmal vorgestellt wurde, dann ist man bekannt wie ein bunter Hund. Mit den Worten „ Hi – you are Thomas“ begrüßte uns Jackie Thompson, die das Old Kiln Cafe auf Ardbeg führt. Nicht umsonst war sie voriges Jahr Visitor manager of the year vom Whisky Magazine. Das Essen hier ist wirklich äußerst empfehlenswert. Zuerst diskutierten wir mit dem Manager Stuart Thompson einige Punkte unseres Whisky Events im September und dann ging es auf zu einer gemeinsamen Bren­ne­rei­führung mit ihm. Den Erfolg von Ardbeg kann man direkt anhand der Produktionszahlen ablesen – in den letzten Jahren hat sich die Produktion fast vervierfacht und man produziert derzeit sechs Tage in der Woche. Eine sieben Tage Woche könnte bald ins Haus stehen. In den Lagerhäusern hatten wir einerseits die Gelegenheit einen seltenen 1975 aus einem Fino Sherry Fass zu verkosten, der derzeit der älteste Whisky der Brennerei ist. Ein 1990iger zeigte uns dann aber die volle Kraft des Ardbeg und fantastisch war ein 1997iger, den Stuart bereits für Glenmorangie gebrannt hat und der in vier Jahren auf den Markt kommen wird. Hier kommt wieder der volle phenolische Ge­schmack der Destillate aus den 1970ern durch. Um das Warten etwas zu erleichtern bedachte er uns dann mit einer Fassprobe, die aber als Dokumentation eines geschichtlichen Ereignis­ses reinen Museumscharakter haben wird. Wie schon bei der Museumsgründung zeigte sich Stu­art sehr großzügig und unterstützte uns  dies­mal mit einem Cask End sowie einer Com­mittee Abfüllung – Ardbeg und damit natürlich auch Glenmorangie Plc sei an dieser Stelle noch­mals für die gezeigte Großzügigkeit ge­dankt und wir freuen uns beide hoffentlich im Sep­tember auf unserem Event begrüßen zu dürfen. Den ganzen Tag zogen zwar dicke Wolken über die Insel, die aber erst in der Nacht den langersehnten Regen brachten. Stuart erwähnte, dass aufgrund der Trocken­heit, bereits Lagavulin und Bruichladdich Probleme in der Wasserversorgung hätten. 

Dieser nun erstmals regnerische Tag begann mit einem Besuch bei Lagavulin. Donald Ren­wick erwartete uns bereits und wir diskutierten einige Punkte die Versorgungsengpässe betref­fend aber auch unseren Event im September war Donald gegenüber sehr offen. Seinen Worten zu Folge würde er gerne nach Öster­reich kommen – mal sehen was wir machen können. Für unsere Ausstellung „Die Whiskys von Islay“ überreichte uns Donald einen Valinch, den er selbst erst vor sechs Monaten aus den alten Gemäuern von Port Ellen herausgeholt hatte. Dieser wird in Zukunft ein Prunkstück des Museums sein.

Danach folgte ein Besuch bei Laphroig, wo ich mir einerseits meinen Annual Share abholen durfte und andererseits die Gelegenheit erhielt, Robin Shields, den neuen Manager von Laphroig kennen zu lernen. Robin kommt aus dem Brauereibereich und ist, man glaubt es kaum, ENGLÄNDER. Allied Domecq geht hier einerseits neue Wege – ich glaube aber auch, dass Robin es schaffen wird. Er ist ein sehr umgänglicher und zuvorkommender Zeitge­nosse, der bereits einiges an Wissen im Whisky­bereich vorweisen kann. Robin will nicht in die Fußstapfen von Ian treten, sondern seine eigenen hinterlassen – wir wünschen ihm und Allied dazu alles Gute und bedanken uns hier nochmals recht herzlich für die großzügige Unterstützung des Museums mit zwei Cask ends.

Unser nächster Weg führte uns so zusagen nach Hause – es stand Bruichladdich auf dem Programm, und der Empfang war wie immer auf das Herzlichste. Ella Edgar, eine Perle die man ansonsten nur schwer findet, war heute unser Gastgeber. Im Grunde verdanken wir ihr die große Unterstützung der anderen Destillerien, da Sie die Cask ends und alles andere organisiert hatte. Von Bruichladdich erhielten wir ein Cask end eines Fasses, das immerhin schon seit knapp 100 Jahren im Umlauf ist. John und Manager Duncan freuten sich auch sichtlich über das Wiedersehen und in der neuen Abfüllhalle hatten wir dann einiges an Spaß. Diesmal sollten nämlich wir die Fässer öffnen – sieht ja immer so leicht aus die zwei oder drei Schläge mit dem Holzhammer direkt neben dem Fassspund. Ja, zwischen Theorie und Praxis ist dann aber ein Riesenunterschied. Nachdem das Fass nach 10 Schlägen immer noch nicht offen war, spukte die Mannschaft in die Hände – und brachte es vorerst auch nicht auf. Nach allgemeinem Gelächter und einiger Mühe schafften wir dann aber das Unmögliche und wurden mit einem wunderbaren 1987 bedacht. Als glorreichen Abschluss füllten wir dann noch einen 1990er Valinch ab und begaben uns weiter Richtung Nordende der Insel.

Caol Isla überraschte uns mit zwei Cask ends aus dem beginnenden 20. Jahrhundert. In den Lagerhäuser fand man in einer dunklen Ecke noch einige alte Holzstücke, die wunderbar zusammenpassten – etwas neue Farbe und schon waren zwei Cask Ends perfect. Neuigkeiten erfuhren wir leider keine, da außer dem Warehouseman niemand mehr da war. Trotzdem danke an Diageo für die überaus große Unterstützung.

In Bunnahabhain fanden wir einen äußerst betrübten John MacLellan vor. Grund war der erst vor wenigen Tagen getätigte Verkauf an Burn Stewart, die selbst vor wenigen Wochen durch einen Firma aus Trinidad übernommen wurden. John war berechtigterweise mit dem Verkauf nicht einverstanden und konnte uns keinerlei Informationen über die Zukunft geben. Für das Islay Whisky Festival wird jedoch der Verkauf des 1963er Bunnahabhain vorbereitet, der auf 750 Flaschen limitiert sein soll – Preis noch unbekannt, trotzdem fast ausverkauft. Von John bekamen wir als Geschenk ein wunderschönes Cask end mit vollständiger Bereifung. Irgendwie merkte man ihm die Erleichterung an, dass er einmal mit jemanden Unabhängigen über die ganze Sache sprechen konnte.

Kurioserweise war unser Cask end von Isle of Jura unauffindbar. Geschickt wurde das Ding direkt aus Invergordon – also durch ganz Schottland – und war dann trotzdem verschwunden. Hat anscheinend jemanden besonders gut gefallen, der es dann mit nach Hause genommen hat. Trotzdem danke an Kyndal für die Mühe.

Nach einem erholsamen Tag am Big Strand bei strahlendem Wetter und einem Besuch im Museum für Islay live begaben wir uns wieder Richtung Festland. Zuerst stand ein Kurzbesuch bei Loch Fyne Whisky an, wo wir schon von Richard Joynson erwartet wurden. Loch Fyne Whisky ist nicht umsonst wie ich denke der bekannteste Whisky Shop weltweit. Die Auswahl ist beachtlich und man findet hier auch eine Unzahl an alten Abfüllungen – der Preis ist auf jeden Fall für Schottland als angemessen zu bezeichnen, rare Stücke erhält man teilweise um einiges billiger als bei uns. Auf der Website www.lfw.co.uk hat Richard immer einige höchst witzige Informationen parat – bestes Beispiel derzeit ist der wieder einmal letzte erhältliche Ben Wyvis (the last of the last of the latest and now for sure the last one blablabla...). Mit Richard über Whisky zu diskutieren macht Spaß, da er ein umfangreiches Wissen hat und sich wirklich auch die Zeit – ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Als wir dann gehen wollten, kramte Richard eine Flasche alten Ardbeg 10yo mit dem schwarzen Label hervor und meinte dies sei sein persönliches Unterstützungsgeschenk für das Museum, da er damals bei der Auktion auf www.whiskymania.de keinen Beitrag leisten konnte. Man kann sich denke ich sehr gut mein blödes Gesicht vorstellen, da man eine derartige Großzügigkeit nicht für selbstverständlich halten kann.

Allerherzlichsten Dank an dieser Stelle nochmals an Richard und Loch Fyne Whisky.

Der nächste Stop war dann ein besonderer Leckerbissen – eine spezielle Einladung von Jimmy Robertson, European Regional Manager von Morrison Bowmore Distillers, und Ronnie F. Learmond, Distillery Manager, zur Besichtigung von Auchentoshan Distillery.

Die Führung durch die Brennerei war für uns alle von größtem Interesse, da dies nun die einzige Brennerei ist, die dreifach brennt – und der Unterschied ist schon gewaltig. Der Brand aus der dritten Brennblase, der eigentlichen Spirit Still, hat einen Alkoholgehalt von durchschnittlich 81%. Unverdünnt riecht er schon vielversprechend, nach Zugabe der doppelten Menge Wasser und damit einer erreichten Trinkstärke von 40% werden florale und fruchtige Aromen frei, die derart sauber sind, dass man dies fast nicht glauben kann. Am meisten beeindruckte uns dann die Verkostung des Threewood, der durchaus Anklänge an Cognac erahnen lässt. Die Brennerei selbst ist wunderschön und liebevoll gepflegt, für die Besucher aber leider geschlossen. Vielleicht wird sich das aber 2004 ändern – mal sehen.

Jimmy Robertson war dann vom Whiskyevent in Österreich mehr als begeistert und sagte einen Spezial Evening sowie eine Masterclass zu. Die Durchführung selbiger bleibt ihm überlassen, wer sich aber auf die Interwhisky im November in Frankfurt erinnert weiß, dass dort der 1964er Bowmore Fino Sherry verkostet wurde. Also man darf hier auf das äußerste gespannt sein, was sich Morrison Bowmore einfallen lässt. Dank an dieser Stelle an MBD für die drei wunderschönen Cask ends von Auchentoshan, Bowmore und Glen Garioch.

Am letzten Tag unseres Schottland Aufenthaltes ging es über Drumlanriag Castle, Dumfries – einer nicht unbedingt sehenswerten Kleinstadt – sowie Gretna Green – einem überlaufenen Touristenort mit einer heute nicht mehr unscheinbaren Schmiede - zurück nach Newcastle, wo uns die Fähre zurück nach Amsterdam brachte.

Alles in allem war es ein unvergesslicher Urlaub in der geliebten Heimat, wo uns diesmal einfach das Wetter dermaßen überraschte.
Slainthe
Euer Thomas Neuhauser, 1st Austrian Scotch Whisky Museum